AUGUSTA vor weiteren Akquisitionen – Vorstand Amnon F. Harman im Interview

Die in München ansässige AUGUSTA Technologie AG (ISIN DE000A0D6612/WKN A0D661) entwickelt, produziert und vertreibt spezielle Sensorsysteme und digitale Kameras für kundenspezifische Anwendungen. Im Interview mit a|m spricht der Vorstandsvorsitzende Amnon F. Harman über mögliche Akquisitionsziele und die Chancen auf dem asiatischen Markt.

a|m: Vor kurzem haben Sie die vorläufigen Zahlen berichtet. Das
Q4 war in einem insgesamt schwächeren Geschäftsjahr das stärkste
Quartal. Haben Sie die Krise überwunden?


Amnon F. Harman
Wir sehen seit Mitte des Jahres eine
Bodenbildung in unseren Märkten sowie in Teilbereichen ein leichtes
Anziehen der Auftragssituation, was eine Book-to-Bill von über 1 im
vierten Quartal belegt. Von einem strukturellen und nachhaltigen
Aufschwung in unseren Märkten der Vision Technologie und Sensorik
kann man bisher aber noch nicht sprechen, dafür reicht die Datenlage
nicht aus. Andererseits haben wir das Krisenjahr 2009 neben den
notwendigen Kosteneinsparungen in Produktion und Materialfluss dazu
genutzt, neue Produkte zu entwickeln und unsere Vertriebsaktivitäten
zu erhöhen. Dies zahlt sich nun aus – unsere Wettbewerbsposition bei
unseren Kunden ist exzellent und im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern
konnten wir die Krise äußerst profitabel bestehen. Wir sind also gut
aufgestellt für die Zeit nach Krise.

a|m: Ende vergangenen Jahres ist der Stimmrechtsanteil der
Mannheimer Hopp Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG auf knapp 6%
angestiegen. Welchen Einfluss hat die Gesellschaft nunmehr auf die
strategische Ausrichtung von AUGUSTA?


Amnon F. Harman:
Neben Lincoln Vale, die über 15% an AUGUSTA
halten, ist die Hopp Beteiligungsgesellschaft mit etwa 6% unser
zweitgrößter Aktionär. Kurz dahinter folgt Ennismore, die bereits
seit langem in der AUGUSTA investiert sind. Neben diesen
Großaktionären, konnten wir etwa 20% Aktienkapital von den ehemaligen
Restrukturierungsfonds bei neuen Aktionären platzieren. Alle
Aktionäre, die wir in den letzten 2 Jahren neu für die AUGUSTA
begeistern konnten sind von der strategischen Neuausrichtung
überzeugt und halten die AUGUSTA nach wie vor für unterbewertet. Auch
durch den Einstieg der Hopp Beteiligungsgesellschaft hat sich deshalb
an unserer grundsätzlichen strategischen Ausrichtung nichts geändert.

a|m: Im Rahmen Ihrer Internationalisierungsstrategie haben Sie
2009 einen Produktionsstandort in Singapur eröffnet. Welche
Entwicklung hat der Standort in Fernost seither genommen und welche
Vorteile bietet Ihnen insbesondere der asiatische Markt
?

Amnon F. Harman:
Die neue Fertigungsstätte für Sensoren und
Mikrosystemtechnik wurde plangemäß im November in Singapur in Betrieb
genommen. Damit erweitern wir unsere Geschäft mit kostengünstigen
Eigenprodukten im Niederdruckbereich, die wir kundenspezifisch in die
Systeme unserer großen OEM-Kunden verbauen bzw. als Standardsensoren
vermarkten. Mit diesem Produktionsstandort folgen wir den regionalen
Verlagerungstendenzen unserer Kunden und können gleichzeitig den
asiatischen Markt erschließen, der unserer Meinung nach enormes
Wachstumspotenzial aufweist. Ebenfalls profitieren wir in Singapur
von einer hervorragenden Infrastruktur, stabilen politischen
Verhältnissen und wesentlich niedrigeren Beschaffungskosten für
wichtige Elektronikbauteile. Obwohl die Personalkosten in Singapur
nicht mehr so niedrig sind wie in China oder Vietnam, liegen die
Vorteile aber ganz klar in der Verfügbarkeit von qualifiziertem
Personal und einer eher stetigen Gehaltsentwicklung. In Summe ist
Singapur für unsere Ansprüche den anderen sogenannten
Low-Cost-Standorten in Asien weit überlegen.

a|m: Ihr Unternehmen verfolgt unter anderem eine
Buy-Build-Hold-Grow-Strategie. Sind für dieses Jahr weitere
Akquisitionen geplant?


Amnon F. Harman:
Ja! Wir arbeiten kontinuierlich daran, die
Gruppe durch strategisch sinnvolle Akquisitionen weiter zu
entwickeln. Dazu führen und aktualisieren wir permanent eine
Targetliste mit Unternehmen aus den Bereichen Sensorik sowie Vision
Technologie. Wir sprechen mit verschiedenen Unternehmen, darunter
sowohl private als auch börsengelistete. In den meisten Fällen trennt
uns der Preis von einer erfolgreichen Transaktion. Wir sind aber
zuversichtlich, dass wir unsere Buy-Build-Hold-Grow Strategie durch
weitere Akquisitionen auch in diesem Jahr erfolgreich umsetzen
können.

a|m: Ihr Finanzmittelbestand ist insbesondere wegen des Abbaus
von “working capital” deutlich angestiegen. Wie hoch wird die
Dividende unter Berücksichtigung des hohen Finanzmittelbestandes in
diesem Jahr ausfallen?


Amnon F. Harman:
Aktuell haben wir liquide Mittel von rund 20
Mio. Euro. Wir möchten unsere Aktionäre an der positiven Entwicklung
teilhaben lassen, sei es durch eine Dividende oder durch die
Wertsteigerung des Unternehmens infolge von Akquisitionen.
Grundsätzlich planen wir rund 30 Prozent vom Nettoergebnis als
Dividende auszubezahlen, allerdings immer in Abhängigkeit vom
Finanzierungsbedarf für geplante Akquisitionen und der
Geschäftsentwicklung. Für dieses Jahr würde sich eine Dividende von
rund 30 Cent je Aktie ergeben.

a|m: Welche Erwartungen haben Sie an das laufende Geschäftsjahr?


Amnon F. Harman:
Wir rechnen mit einer nachhaltigen Erholung
frühestens ab Mitte 2010 und einer stabilen Steigerung des
Aufschwungs in 2011. Die langfristigen Wachstumsperspektiven in
unseren Kernsegmenten sind jedoch gegeben. Wir haben in der Krise
unsere Kostenbasis reduziert, aber gleichzeitig auch neue Produkte
entwickelt. Nicht zuletzt sind unsere internationalen
Vertriebsaktivitäten eine wichtige Voraussetzung, um in neue Märkte
einzudringen und um uns dort zu positionieren. Damit haben wir unsere
Marktposition für die Zeit nach der Krise weiter gefestigt. Wir
arbeiten heute an viel versprechenden Projekte bei unseren Kunden,
die in 2010 zur Entscheidung anstehen. Ganz klar ist unser Ziel, die
Ergebnisse von 2008 mit 127 Mio. Euro und einer Profitabilität von 14
bis 15% so schnell wie möglich wieder zu erreichen.

a|m: Herr Harman, wir bedanken uns für das Gespräch.

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