Werde zur Marke

Posted by on Sep 24th, 2015 and filed under Allgemein, Breaking News, Markets. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

So werde ich zur Marke

Marken schaffen Vertrauen und machen unverwechselbar. Darum gilt das Prinzip „Marke“ längst auch am Arbeitsplatz und bei der Bewerbung. W&V-Autor Heiko Kunzmann über die Möglichkeiten von „Human Branding“.

Sich selbst zu einer Marke zu entwickeln ist nicht nur relevant für extrovertierte Kreativarbeiter. „Den eigenen Markenkern zu erkennen ist grundsätzlich für jeden interessant“, meint Karrierecoach und Personalberaterin Maike Dietz aus Düsseldorf. Im Arbeitsleben müsse man sich positionieren: „Das ist wie mit einem ungesteuerten Segelboot auf See. Im Optimalfall steht der Wind günstig und man gelangt dorthin, wo es einigermaßen schön ist. Besser aber, man navigiert sich an den bestmöglichen Platz.“

In welchen Bereichen ist eine Markenbildung besonders wichtig?

„Auf jeden Fall im Marketing und Vertrieb“, so Maike Dietz. „Auch Führungskräfte müssen Marken sein.“ In Zweigen mit Fachkräftemangel komme man eher auch ohne Markenbildung ans Ziel – doch die Marktsituation könne sich ändern, gibt Dietz zu bedenken.

„Je verantwortlicher und kreativer meine Position, desto wichtiger ist das Personal Branding“, fasst Personalmanagerin Sandra Gertzen es zusammen. Der Kölner Karriere- und Business-Coach Bernd Slaghuis geht noch einen Schritt weiter: „Die eigene Marke, das betrifft unsere Darstellung im Netz und die ist heute für jeden wichtig.“ Knapp die Hälfte aller Unternehmen durchforsten bei Bewerbern die sozialen Netzwerke. „Eine Ablehnung erfolgt häufig dann, wenn die Information im Netz nicht mit der Bewerbung übereinstimmt.“

Was ist eigentlich die eigene Marke – und wie komme ich meinem Markenkern auf die Spur?

„Die eigene Marke wird geprägt durch die eigene Persönlichkeit sowie die besonderen Talente, Kompetenzen und Erfahrungen“, bringt es Bernd Slaghuis auf den Punkt. Um dem auf die Spur zu kommen, sollte man sich seine Stärken bewusst machen und welche Werte und Ziele einem wichtig sind.

Sandra Gertzen rät, sich dazu einen idealen Arbeitstag vorzustellen und so eine Liste persönlicher Stärken und Fähigkeiten zu entwickeln:

Fragen dabei wären:

1. In welchem Umfeld wirke ich am erfolgreichsten?

2. Arbeite ich gern allein oder im Team?

3. Welche Dinge mache ich mit Leidenschaft, was erledigt sich fast von selbst – und welche Eigenschaften helfen mir dabei?

Schwächen können auch Stärken sein: „Etwa wenn ich jedes Jahr mit einer neuen Sportarten anfange. Das kann darauf hindeuten, dass ich offen für Neues bin und gern Trends erkenne und prüfe – eine Eigenschaft, die z.B. nützlich im Marketing sein kann,“ glaubt Gertzen.

Sie empfiehlt, die drei bis fünf wichtigsten Punkte zu gewichten, die für die eigene Persönlichkeit typisch sind. Kombiniert ergeben sie die eigene Marke: „Innovativ allein wäre zu allgemein. Vorreiter im Bereich individuelle Softwarelösungen für Abrechnungssysteme im Gesundheitswesen – das wäre ein Alleinstellungsmerkmal, ein Markenkern.“

Welche Hilfsmittel gibt es?

Persönlichkeitstests können auf die Sprünge helfen. Zur Wahl stehen u.a. Harrison Assessments, „Reflector Big Five Personality“ (RBFP), Tests des Geva-Instituts oder Stärkennavigatoren.

Die kostensparende Variante: Erstmal Kollegen und Freunde fragen. Wofür steht man aus deren Sicht, wo ist man erfolgreich, was kann man besser als andere? Der Blick von außen schärfe: „Viele halten Dinge, die sie gern und oft tun, für selbstverständlich“, so Maike Dietz.

Auch Unstimmigkeiten zwischen Selbstbild und Fremdwahrnehmung werden so klar, erklärt Bernd Slaghuis. Zur Markenbildung gehört aus seiner Sicht auch eine Wettbewerbsanalyse. „Wenn ich mich selbst genauer betrachte, sollte ich auch den Markt betrachten: Wie sind Kollegen aufgestellt, was können die besser, wohin gehen Trends?“

Wie formuliere ich meine Marke?

Möglichst kurz, klar und prägnant sollte das eigene Arbeitsmotto sein. „Es sollte Interesse erzeugen und Lust machen, mehr über den Menschen zu erfahren“, meint der Kölner Karrierecoach Slaghuis. Er empfiehlt einen kurzen Satz oder einen Spruch. Guter Platz dafür: Die „Über mich“-Rubrik bei Xing oder etwa ein Bewerbungsdeckblatt mit der Überschrift „Das zeichnet mich aus“.

Auch Maike Dietz entwickelt mit ihren Klienten oft einen Slogan, einen Satz oder eine Metapher. Ob man diesen auch im Netz oder anderswo nutzt, hänge vom eigenen Typ und Gusto ab. Wichtig sei aber, dass der Bewerber seine Marke für sich verinnerlicht: „Wenn man seinen Slogan im Berufsleben umsetzt, sich zu seinen Themen meldet, werden andere dies registrieren, man wird zum Experten. Nach dem Motto: Wenn Herr Meier diese Vorschrift nicht kennt, dann gibt es die auch nicht.“

„Speziell bei Freiberuflern sollte sich der Markenkern überall widerspiegeln – auf der Webseite, bei Xing oder Facebook“, empfiehlt Slaghuis. „Eine Marke wird umso stärker, je häufiger etwa Auftraggeber hiermit in Kontakt kommen und je höher der Wiedererkennungswert ist.“

Das eigene „Personal Branding“ sollte sich bereits durch den Lebenslauf ziehen und mit Fakten untermauert werden, rät Sandra Gertzen. Im Recruiting-Prozess ist das Anschreiben ist der eigentliche Türöffner ins Unternehmen und sollte daher den Nutzen, den der Bewerber dem Unternehmen mit seiner Marke stiftet, deutlich herausstellen. Und man sollte den „Bau“ der eigenen Marke rechtzeitig angehen. Denn der Prozess brauche Zeit: Reputation im Job und Relevanz im Netz kommen nicht über Nacht.

 

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