Türkei: Politische Spannungen wirken sich auf das Geschäftsrisiko aus

Posted by on Mai 9th, 2014 and filed under Allgemein, Breaking News, Markets. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

– Politische Unsicherheit vor wichtigen Wahlen nimmt zu Solide
– öffentliche Finanzen und moderate Auslandsverschuldung
– Erdogans Vorgehen schwächt Pressefreiheit und Unabhängigkeit der Justiz

Korruptionsskandale sind in der Türkei noch immer großer Bestandteil der öffentlichen Diskussion. Bereits im letzten Jahr wurden Fälle bekannt, in die Polizeibeamte und zentrale Personen aus Regierungskreisen verwickelt waren.

Im Zuge der Vorfälle legte Premierminister Erdogan (AKP) zunehmend autoritäre Züge an den Tag. Nach Ermittlungen in den Korruptionsskandalen leitete er zahlreiche Maßnahmen ein, um die Gülen-Bewegung zurückzudrängen: Polizeibeamten wurden entlassen, Schulen der Gülen-Bewegung geschlossen und Internetdienste wie Twitter und YouTube gesperrt.

Die Gülen-Bewegung, an deren Spitze Erdogans früherer Verbündeter Fethullah Gülen steht, tritt für einen gemäßigten Islam und offenen Dialog zwischen den Religionen ein. Vertreter besetzen einflussreiche Positionen in verschiedenen Institutionen wie in der Polizei, Justiz und Staatsanwaltschaft.

„Erdogans Vorgehen könnte dazu führen, dass eine Spaltung innerhalb der AKP entsteht und die Unabhängigkeit der Justiz und der Presse geschwächt wird“, sagt Christoph Witte, Deutschlanddirektor des belgischen Kreditversicherers Credimundi.

„Die politische Unsicherheit hat sich daher im Vorfeld der Präsidentschafts- und Parlamentswahlen, die im August dieses Jahres bzw. im Juni 2015 angesetzt sind, deutlich erhöht. Die Parlamentswahlen könnten vorgezogen werden und noch in diesem Jahr stattfinden.“

Wachstumsaussichten durch Kapitalabflüsse getrübt

Die politische Unsicherheit sorgt für Kapitalabflüsse und erschwert die Kreditvergabe sowie die Investitionen im Privatsektor. „Die jüngsten politischen Unruhen haben die Risikoaversion der Investoren weiter verstärkt“, sagt Christoph Witte.

„Durch die Kapitalabflüsse kam es zu einer deutlichen Abwertung der Türkischen Lira, woraufhin die Zentralbank die Zinssätze erhöhte. Die gestiegenen Finanzierungskosten trüben die Wachstumsaussichten für 2014.“ Zwar ist das Bruttoinlandsprodukt von 2012 auf 2013 gestiegen, für das Jahr 2014 dürfte das Wachstum jedoch an Fahrt verlieren.

Die niedrige Sparquote hemmt das Wirtschaftswachstum und trägt zu zyklischen Schwankungen bei, da die Türkei für die Finanzierung von Investitionen auf den Zufluss von kurzfristigem Kapital aus dem Ausland angewiesen ist. Das Leistungsbilanzdefizit ist hoch, der Abbau des Defizits dürfte wegen der hohen Abhängigkeit von Energieimporten und der niedrigen Sparquote schwierig sein.

Christoph Witte: „Die allgemeinen Fundamentaldaten der Türkei sind jedoch nach wie vor gut: Die Exportstruktur ist diversifiziert, die öffentlichen Finanzen sind solide und die Auslandsverschuldung hält sich in Grenzen. Der Bankensektor ist trotz Abhängigkeit von kurzfristigen Finanzierungen gut reguliert und kapitalisiert.“

Credimundi schätzt das politische Risiko (3 auf einer Skala von 1 bis 7) als mittelmäßig hoch, das Geschäftsrisiko hingegen (C auf einer Skala von A bis C) als hoch ein.

Christoph Witte, Anette Tepel


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