Kurz vor den Olympischen Spielen stuft die Credendo Group das Länderrisiko für Brasilien höher ein

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>    In Brasilien, das vom 5. bis 21. August dieses Jahres die Olympischen Spiele ausrichten wird, hat man es weiterhin mit einer schwierigen wirtschaftlichen Situation und einem fragilen politischen Kontext zu tun

>    Die neue Bewertung des mittel- und langfristigen politischen Risikos durch die Experten der Credendo Group führt zu einer erneuten Herabstufung des Ratings von Brasilien

>    Die Credendo Group mahnt Exporteure von Waren und Dienstleistungen zu erhöhter Vorsicht

Mit dem Ende des Rohstoffbooms setzte 2011 eine Verlangsamung der brasilianischen Wirtschaft ein.

Seither hat sich diese Negativtendenz fortgesetzt und die wirtschaftlichen Grundlagen haben sich weiter verschlechtert, vor allem aufgrund einer schweren politischen Krise, die durch die Enthüllungen rund um den Korruptionsskandal in der staatlichen Erdölgesellschaft Petrobras ausgelöst wurde.

In diesem Zusammenhang stufte die Credendo Group im Juni 2016 die Klassifizierung des mittel- und langfristigen politischen Risikos von Brasilien auf einer Skala, die bis 7 reicht, auf Stufe 5 herab[1].

Die Credendo Group hatte die mittel- und langfristige Bewertung des politischen Risikos von Brasilien bereits im Mai 2015 auf 4 herabgestuft (zuvor hatte sie bei 3 gelegen).

Auch das wirtschaftliche Risiko Brasiliens hat sich deutlich verschlechtert. Dementsprechend bewertet die Credendo Group das wirtschaftliche Risiko mit Kategorie C (auf einer Skala von A bis C)[2].

Allerdings ist die Höhe der internationalen Reserven weiterhin hoch, wodurch das Liquiditätsrisiko gering bleibt.

Demzufolge liegt die Bewertung der Credendo Group trotz der hohen kurzfristigen Auslandsverschuldung hinsichtlich des kurzfristigen politischen Risikos in Kategorie 2.

Vom Boom zur Rezession

„Abgesehen von der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahre 2008 war das internationale und nationale wirtschaftliche Klima bis 2010 für die Wirtschaft Brasiliens günstig“, erläutert Christoph Witte, Deutschland-Chef des belgischen Kreditversicherers Credimundi.

Brasilien genoss gleichzeitig den Anstieg der Rohstoffpreise, das Vertrauen internationaler Investoren und eine Politik der Einkommensumverteilung, was dazu führte, dass das Konsumverhalten der Haushalte stieg.

Mit dem Ende des Rohstoffbooms setzte 2011 eine Verlangsamung der brasilianischen Wirtschaft ein.

In der jüngeren Vergangenheit markierte eine Vertrauenskrise – im Wesentlichen getrieben durch die politische Unsicherheit hinsichtlich der Geld- und Wechselkurspolitik, die schwierigeren Finanzierungsbedingungen und die zunehmende Arbeitslosigkeit – das Ende des durch den Konsum geprägten inländischen Wachstumsmodells.

Die Wirtschaft hat begonnen zu stagnieren, die öffentlichen Finanzen haben sich verschlechtert, die Inflation ist gestiegen, der Wechselkurs eingebrochen, das Leistungsbilanzdefizit gewachsen und die Auslandsverschuldung hat zugenommen.

„Diese Verschlechterung der wirtschaftlichen Grundlagen hat die Credendo Group veranlasst, ihre Bewertung des mittel- und langfristigen politischen Risikos von Brasilien im Mai 2015 auf Kategorie 4 (zuvor lag sie bei 3) zurückzustufen“, fügt Christoph Witte hinzu.

Eine schwere politische Krise

Seither hat sich diese Negativtendenz fortgesetzt und die wirtschaftlichen Grundlagen haben sich weiterhin verschlechtert, vor allem aufgrund einer schweren politischen Krise.

Insbesondere die Untersuchungen zu einem Bestechungsskandal in einer Größenordnung von mehreren Milliarden amerikanischen Dollar, der bei dem staatlichen Erdölunternehmen Petrobras zu Tage gekommen ist, haben zur Inhaftierung zahlreicher hochrangiger Politiker und Topunternehmer geführt, während die Anklagen wegen Budgetmanipulationen die Aussetzung des Mandats der Präsidentin Rousseff zur Folge hatten.

In diesem Zusammenhang wird erwartet, dass Dilma Rousseff im Laufe des Jahres abberufen wird und der sie vertretende Präsident Temer bis zu den Präsidentschaftswahlen im Jahre 2018 im Amt bleibt.

Angesichts der sehr instabilen politischen Situation stellt sich allerdings die Frage, ob diese Administration in der Lage sein wird, die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.

Zukunftsperspektiven

Laut der Credendo Group wird sich die Rezession 2016 infolge der Straffung der Geldpolitik und des mangelnden Vertrauens der Investoren im Zusammenhang mit der politischen Unsicherheit fortsetzen.

„Eine progressive Wiederaufnahme der Aktivitäten sollte jedoch 2017 zu erkennen sein. Genauer gesagt dürfte das reale BIP 2016 um 3,3 % schrumpfen, bevor es 2017 und 2018 leicht wachsen wird“, erläutert Christoph Witte.

„Aber auch diese Vorhersagen sind einem erhöhten Risiko unterworfen. Es besteht eine große Unsicherheit hinsichtlich der Umsetzung struktureller Reformen, einer Zunahme des Verbraucher- und Anlegervertrauens, sowie der Entwicklungen des Wechselkurses, der Rohstoffpreise und der Bedingungen für Auslandsfinanzierungen“, gibt Witte zu bedenken.

Die Credendo Group mahnt Exporteure von Waren und Dienstleistungen vor dem Hintergrund der Verschlechterung der brasilianischen Wirtschaft und der politischen Krise in Brasilien zu erhöhter Vorsicht.

Credimundi, Christoph Witte


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