Duff & Phelps-Studie zu Wertminderungen bei Goodwill und anderen Vermögenswerten

Posted by on Sep 27th, 2016 and filed under Allgemein, Breaking News, Markets. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0. Both comments and pings are currently closed.

Mit € 11,7 Mrd. erreichen die von deutschen Unternehmen in 2015 verbuchten Abschreibungen beim Goodwill eine bislang nicht gekannte Größenordnung und stellen eine Verachtfachung gegenüber dem Vorjahr dar.

Der Gesamtbetrag des von deutschen börsennotierten Unternehmen ausgewiesenen Goodwill hat sich zwischen 2005 und 2015 von € 151 Mrd. auf € 314 Mrd. mehr als verdoppelt .

Zu diesem Ergebnis kommt die „Goodwill Impairment“-Studie von Duff & Phelps, die heute in Frankfurt vorgestellt wurde.

„Auffällig ist“, so Hartmut Paulus, Managing Director Valuation Advisory Services bei Duff & Phelps, „dass 85 Prozent des Gesamtbetrags auf die 30 DAX-Unternehmen entfallen, während sie nur 4 Prozent der deutschen börsennotierten Unternehmen ausmachen und zugleich auch nur 70 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung repräsentieren.“

Darüber hinaus gäbe es seit 2014 kein Unternehmen mehr im DAX, das keinen Goodwill ausweise.

Sektorbetrachtung: IT- und Gesundheitsbranche verzeichnen erheblichen Anstieg bei Goodwill

Bei einer differenzierten Betrachtung nach Sektoren ist festzustellen, dass vor allem in der IT- und der Gesundheitsbranche im Analysezeitraum ein erheblicher Anstieg des Goodwill zu verzeichnen ist.

Der Anteil des Goodwill am bilanziellen Gesamtvermögen der Unternehmen beläuft sich dort nach einer Erhöhung um 30 Prozent- bzw. 16 Prozent-Punkten zum 31. Dezember 2015 auf 38 Prozent bzw. 34 Prozent.

Dies bedeutet, dass mehr als ein Drittel des bilanzierten Unternehmensvermögens durch Goodwill repräsentiert wird. In der Telekommunikationsindustrie und bei den Versorgungsunternehmen ist der Anteil des Goodwill am Gesamtvermögen in den vergangen Jahren hingegen rückläufig und liegt nunmehr bei nur noch 11 Prozent bzw. 8 Prozent – primär ein Ausdruck missglückter Unternehmenskäufe und der Branchenkrise in der Energiewirtschaft .

Bei einzelnen Unternehmen erreicht der Goodwill zwischenzeitlich sogar die Hälfte des Gesamtvermögens (z. B. SAP 55 Prozent, Fresenius Medical Care 51 Prozent) und diese zählen auch zu den Branchen mit dem höchsten Goodwillanteil .

„Ursächlich für die hohen Quoten sind die hohe Akquisitionstätigkeit und auch die vergleichsweise geringe Vermögensintensität des Geschäftsmodells“, erläutert Paulus.

Bezogen auf das bilanzielle Eigenkapital ist erkennbar, dass der Goodwill das Eigenkapital teils deutlich übersteigt (Pro7Sat1 176 Prozent, RWE 135 Prozent, Fresenius 114 Prozent, ThyssenKrupp 113 Prozent).

Bei einigen Unternehmen erklärt sich dies auch über eine vergleichsweise schwache Eigenkapitalbasis. Etwaige Abschreibungen des Goodwill würden dort sehr schnell in erheblichem Umfang das Eigenkapital aufzehren.

International ebenso ein Anstieg bei Goodwill zu verzeichnen

Auch international betrachtet ist über die letzten 10 Jahre ein deutlicher Anstieg des Goodwill zu beobachten. Der Zuwachs in den USA, gemessen an den S&P 500-Unternehmen, liegt mit einer Verzweieinhalbfachung nochmals deutlich über dem Zuwachs im Deutschland.

In relativen Größen erreicht der Goodwill dort, als Quote bezogen auf das Gesamtvermögen, einen Wert von 8 Prozent, der erheblich über den 5 Prozent, die deutsche, bzw. den 4 Prozent welche die europäischen Unternehmen des S&P Europe 350 ausweisen.

„Von einer ‚Blase‘ beim bilanzierten Goodwill kann aber per se nicht gesprochen werden“, so Paulus. „Im Sinne der geltenden Regelungen der Rechnungslegungsstandards wird der Goodwill bei planmäßiger Entwicklung der erworbenen Unternehmen nicht abgeschrieben und verbleibt damit dauerhaft in der Bilanz, die Beträge werden bei fortgesetzten Unternehmenskäufen sogar weiter ansteigen.“

Eine Abschreibung des Goodwill ist nur dann erforderlich, wenn aufgrund von negativen Entwicklungen bei Zukunftserwartungen oder Marktpreisen der aktuelle Zeitwert niedriger als der bilanzierte Buchwert eingeschätzt wird.

Typischerweise steht dies im Zusammenhang mit einer nachteiligen konjunkturellen Entwicklung sowie Länder-, Branchen- oder Unternehmenskrisen.

Goodwillabschreibungen in Deutschland auf Rekordwert

Die Goodwillabschreibungen deutscher Unternehmen im Jahr 2015 haben sich gegenüber dem Vorjahr von € 1,5 Mrd. auf € 11,7 Mrd. verachtfacht.

Bezogen auf den bilanzierten Goodwill entspricht dies einer Quote von 4 Prozent und auch diese relative Größe übersteigt den bislang zu verzeichnenden Höchstwert von 3,6 Prozent im Jahr 2008.

Auf das Jahr mit der historisch niedrigsten Abschreibung von nur 0,6 Prozent, nämlich 2014, folgte somit der Abschreibungsrekord .

Der erhebliche Anstieg in 2015 gegenüber dem Vorjahr erklärt sich bei leicht rückläufiger Anzahl der abschreibenden Unternehmen (von 49 auf 48) durch beträchtliche Abschreibungen bei Deutsche Bank (€ 4,9 Mrd.) und E.ON (€ 4,8 Mrd.).

Die Erhöhung des Gesamtabschreibungsbetrags begründet sich also nicht durch eine Ausweitung der von Abschreibungen betroffenen Unternehmen, sondern durch krisenhafte Umstände bei einzelnen Unternehmen.

Kumuliert über die letzten fünf Jahre hat die Deutsche Telekom mit € 6,8 Mrd. den höchsten Betrag an Goodwill abgeschrieben, gefolgt von der Deutschen Bank mit € 6,7 Mrd. und E.ON mit € 5,4 Mrd.

Aktuell befinden sich die meisten deutschen Unternehmen in bester Verfassung. Die Gewinne bewegen sich an vielen Stellen auf Rekordniveau und auch die Aussicht auf kurze Sicht ist vielfach ungetrübt.

Zudem stützt das Niedrigzinsniveau das Geschäft. Die Kapitalmärkte bewegen sich in der Nähe ihrer historischen Höchststände. All diese Faktoren wirken begünstigend hinsichtlich einer positiven Beurteilung der Frage nach der Werthaltigkeit des Goodwills – oder anders ausgedrückt: ein Abschreibungsbedarf des Goodwill ist eher nicht angezeigt.

Sofern sich allerdings die Situation bei den vorgenannten zentralen Einflussfaktoren dreht, ist durchaus mit einer Abschreibungswelle in größerer Breite zu rechnen, die dann aufgrund der ausgeweiteten Goodwillbestände auch eine breitere Anzahl von Unternehmen treffen wird.

Über Duff & Phelps:

Duff & Phelps ist ein auf Valuation Advisory, Corporate Finance und M&A spezialisiertes internationales Beratungsunternehmen mit weltweiter Präsenz und US-amerikanischen Wurzeln mit 70 Standorten und über 2.200 Mitarbeitern.

Bei Valuation Advisory sind wir als unabhängiger und interessenkonfliktfreier Anbieter global Marktführer und Mitarbeiter von Duff & Phelps sind Mitglieder in zahlreichen Standards setzenden Gremien.

Im Markt für M&A Beratung sind wir ein führendes Unternehmen bei Unternehmenstransaktionen mittlerer Größe mit einem weltweiten Netzwerk.

Über die „Goodwill Impairment Studie“:

Duff & Phelps als weltweit führendes Unternehmen im Bereich Valuation Advisory erstellt jährlich die sogenannte „Goodwill Impairment-Studie“ für Europa und die USA, im Rahmen welcher in diesem Jahr erstmalig auch sämtliche 700 deutschen börsennotierten Unternehmen im Detail und in einem erweiterten Analysezeitraum, der die Jahre 2005 bis 2015 umfasst, untersucht wurden.

Alexander Schmidt, Edelman.ergo


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